Miniville - OpenLab26

Drei Kurse - Digital Tinkering, Lego Club und Robotics - haben ein Semester lang an einer gemeinsamen Stadt gebaut.
Vom 30. Juni bis 2. Juli 2026 war sie zu sehen. Was hier steht, ist das Ende eines Weges, der mit sehr einfachen Fragen begann: Wie fließt Strom? Was merkt ein Sensor? Wie denkt ein Programm?

Klassenraum mit Miniaturstadt aus Karton auf zusammengeschobenen Tischen, Seilbahnschnüre unter der Decke
Selbstgebaute Seilbahngondel an gespannter Schnur über den Tischen

Ein Klassenraum, der für drei Tage etwas anderes geworden ist. Auf zusammengeschobenen Tischen liegt eine Stadt aus Karton, Papier und Kabeln. Mit Kreppband markierte Straßen ziehen sich über die weißen Tischplatten, gesäumt von Häusern aus Verpackungskartons, auf deren Fassaden Kupferbandbahnen wie Fensterraster verlaufen - bis man genauer hinsieht und erkennt: Das sind Schaltkreise, in manchen Fenstern leuchten LEDs. Über allem spannen sich Schnüre quer durch den Raum, die Seile einer Seilbahn.

Selbstgebaute Seilbahngondel an gespannter Schnur über den Tischen

Die Stationen

In der Mitte fällt ein Turm auf, der aussieht wie eine mehrstöckige Torte aus Pappe. Auf seinen Ebenen stehen weiße 3D-gedruckte Bäumchen mit Kronen aus bunten Pompons, dazwischen aufgefächerte Papierbäume, in den Fensterbändern schimmert holografische Folie. Auf der unteren Ebene sitzt eine Solarzelle: Über micro:bit und Servomotor richtet sie das Haus nach der Sonne aus. Nichts davon ist versteckt.

Kartonturm mit 3D-gedruckten Bäumchen, Pompons und holografischen Fenstern, am Fuß ein micro:bit

Der kleine Ozobot folgt den Linien der Straße, stoppt vor jedem Haus, zählt die Hausnummer und zeigt ein Farbenspiel. An der Schranke wartet ein Thymio, bis der Ultraschallsensor ihn erkennt und sich die Schranke öffnet — dann zieht er seine Runden um die Box. Das Programm, das die Schranke steuert, hängt daneben. Solche Programme entstehen gemeinsam - oder ein fertiges zeigt, was möglich ist, die Kinder verstehen es und bauen es nach eigenen Vorstellungen um.

Ozobot-Roboter auf einer Straße aus Kreppband zwischen Häusern mit Kupferband-Schaltkreisen
Thymio-Roboter vor einer Kartonschranke mit Ultraschallsensor

Weiter hinten leuchten die Ringe einer NeoPixel-Installation nach ihrer eigenen Dramaturgie. Daneben eine Blumenwiese aus Origami-Papier: Ein Schaltkreis, gesteuert von einem micro:bit, lässt in den Blüten LEDs leuchten - und wer die kleinen Schalter auf der Wiese drückt, lässt die Vögel darüber fliegen.

Leuchtende NeoPixel-Ringe in Papierblüten, verbunden mit einem micro:bit
Leuchtende NeoPixel-Ringe in Papierblüten, verbunden mit einem micro:bit

Ein Garten aus Federn und Pfeifenreinigern wächst auf einem Circuit aus Kupferklebeband, ein Aufzug aus Lego-Technik fährt seine Etagen ab, und an den Bäumen wackeln die Blätter, angetrieben von kleinen Servomotoren.

Fantasievögel aus bunten Federn und Pfeifenreinigern auf einem Circuit aus Kupferklebeband
Aufzugmodell aus Lego-Technik-Elementen mit Motor und Sensorsteuerung

Im Kartontheater kurbelt ein Motor eine gezeichnete Stadtkulisse vorbei, Scratch-Filme erzählen Geschichten der Stadt, und wer die bunten Kreise auf dem Tisch berührt, lässt über ein MakeyMakey den Sound der Stadt erklingen.

Kartontheater mit motorgetriebener, von Kindern gezeichneter Stadtkulisse und LED-Beleuchtung
Selbstgebaute Seilbahngondel an gespannter Schnur über den Tischen

Ein Luftsensor dokumentierte ein halbes Jahr lang die Luftqualität an der Außenwand der Schule; auf einem Turm aus Papprollen sitzt ein zweiter - die Stadt misst ihre eigene Luftqualität.

Kartontheater mit motorgetriebener, von Kindern gezeichneter Stadtkulisse und LED-Beleuchtung
Geöffnete Verteilerdose mit Feinstaubsensor - die Miniaturstadt misst ihre eigene Luftqualität

Offene Technik

Kabel laufen sichtbar über die Tische, Breadboards und Batteriehalter stehen neben den Objekten, und an fast jeder Station lehnt ein Blatt mit dem Programmcode, der genau dieses Objekt steuert. Wer genau hinschaut, kann jede Station bis zum letzten Kabel nachvollziehen. Neben der Seilbahnwinde liegt ein Blatt mit der Überschrift „Troubleshooting the Cable Car" - es erzählt, was nicht funktioniert hat, und wie der Fehler Schritt für Schritt gefunden wurde.

Geöffnetes Schrankengehäuse mit Calliope Mini, Breadboard und Batteriehalter
Seilbahnwinde mit micro:bit, daneben das Blatt: Troubleshooting the Cable Car

Anfassen erwünscht

Die Stadt ist kein Ausstellungsstück hinter Absperrband - sie wird angefasst, vorgeführt, erklärt. Kinderhände schieben Roboter über den Tisch, setzen den Ozobot auf die Straße, drehen an der Kurbel des Panoramas. Bis zum Schluss wurde an den Objekten gebaut, manche Lösung entstand erst gemeinsam mit den Besuchern. Zeigen gehört dazu: Die Kinder führen ihre Objekte selbst vor und beantworten Fragen.

Kinderhände steuern einen Lego-Spike-Roboter über den Tisch
Eine Hand führt das motorgetriebene Rollpanorama vor

Erst verstehen, dann erfinden

Keines dieser Objekte stand am Anfang des Jahres fest. Im ersten Halbjahr ging es um etwas anderes: kleine Experimente und Spielereien zu genau diesen einfachen Fragen. Nach einem halben Jahr sitzt davon nicht alles, aber von vielem hat man einmal gehört, und kleine Übungen haben mit der Materie vertraut gemacht. Das eigentliche Interesse, tiefer einzusteigen, entsteht oft erst, wenn man sieht, was alles möglich ist - genau dafür ist die Installation da. Eine Anleitung hat hier niemand nachgebaut; allein entstanden ist aber auch nichts: Jedes Objekt wurde eng gemeinsam entwickelt, abgestimmt auf die Interessen des einzelnen Kindes.

Tablet mit Spielszene inmitten der Miniaturstadt

Produkt und Entstehungsprozess in einem Raum

Auf der Leinwand läuft der Film: ein Semester Arbeit, geschnitten aus den wöchentlichen Aufnahmen der Projektphase. Jedes Kursteam konnte darin sehen, woran die anderen gerade bauten - ein Fenster in die jeweils anderen Kurse, obwohl sich die Gruppen nie begegnet sind. Beim OpenLab stehen die fertigen Objekte im selben Raum wie ihre Entstehungsgeschichte.

OpenLab-Präsentation: der Entstehungsfilm läuft auf der Leinwand neben der fertigen Installation

Was diese Stadt zusammenhält, ist ihre Machart: einfachste Materialien - Karton, Papier, Kreppband, Kupferklebeband - kombiniert mit echter, funktionierender Technik: Sensoren, Aktoren, Mikrocontroller. Jedes Objekt trägt eine andere Handschrift, und trotzdem fügt sich alles zu einer Stadt, in der die Seilbahn über die Straße fährt, auf der der Roboter an der Schranke wartet.

Blaues Kartonhochhaus mit Ampel aus drei roten LEDs auf Kupferklebeband

Dahinter steht eine einfache Bewegung, die sich das ganze Jahr wiederholt: sich etwas ausdenken, es bauen, ausprobieren, zeigen, genau hinschauen - und wieder von vorn.
Am Anfang standen drei einfache Fragen. Am Ende steht eine Stadt - und die hat Geschichten zu erzählen.

Besucherkinder betrachten den Pompon-Baumturm der Miniaturstadt
Besucherkinder betrachten den Pompon-Baumturm der Miniaturstadt

Geschichten aus Miniville

Das letzte Wort haben die Kinder: Animationen, in Scratch und ScratchJr gebaut, zeigen das Leben in der Stadt.

Fotos: Nele-May & Silke Willhöft